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Wer ein Dokument mit dem Smartphone erfasst, erwartet, dass der Rahmen sofort und sauber sitzt. Genau diese Randerkennung ist im Browser bis heute eine Lücke — und LDED (Lightweight Document Edge Detection) schliesst sie.

Ausgangslage

Klassische Bildverarbeitung erkennt Dokumentenkanten über Kontraste und Linien. Das funktioniert im Labor, aber nicht in der Realität: wechselndes Licht, unruhige Hintergründe und perspektivische Verzerrung bringen solche Verfahren schnell an ihre Grenzen.

iOS und Android bringen dafür längst optimierte Modelle auf Betriebssystemebene mit — nur sind diese aus einer Web-Anwendung heraus in aller Regel nicht ansprechbar. Und die verfügbaren Deep-Learning-Modelle sind zu gross oder zu rechenintensiv, um in einem mobilen Browser in Echtzeit zu laufen. Der übliche Ausweg: Das Bild wird an einen Server geschickt. Damit verlässt genau das Dokument das Gerät, das man eigentlich schützen will — Ausweis, Rechnung, Vertrag.

Lösung

LDED ist ein neuronales Netz, das klein genug ist, um komplett clientseitig zu laufen. Es liefert nicht nur eine Maske, sondern direkt die vier Eckpunkte plus einen Confidence-Wert:

Architektur MobileNetV3-Small als Backbone, FPN-Lite als Neck, Heatmap-Head mit Soft-Argmax für die Koordinaten — rund 2,5 Mio. Parameter
Ein- und Ausgabe 512 × 512 px hinein, vier Eckpunkte (x, y) plus Confidence hinaus
Deployment In PyTorch 2.x trainiert, nach ONNX exportiert, im Browser über ONNX Runtime Web (WebGPU oder WASM) ausgeführt
Grösse Rund 10 MB als FP32, unter 5 MB INT8-quantisiert
Datenschutz Gesamte Inferenz auf dem Gerät — kein Bild-Upload, kein Backend-Betrieb, keine Latenz durch Server-Roundtrips

Trainiert wurde in einem dreistufigen Curriculum — eingefrorenes Backbone, Fine-Tuning, dann Quantization-Aware Training — auf rund 8’100 Rohbildern aus DocCorner, MIDV-500/2020 und dem Mendeley-Corner-Datensatz, per Augmentierung auf etwa 24’300 Beispiele erweitert.

Ergebnis

Auf dem Validierungssplit liegt LDED durchweg über den gesetzten Zielwerten:

Metrik Wert Bedeutung
PCK@5 93,0 % Anteil der Ecken, die höchstens 5 % der Bilddiagonale danebenliegen
PCK@10 98,2 % dasselbe mit 10 % Toleranz
IoU 97,4 % Überlappung der erkannten mit der tatsächlichen Dokumentfläche
NME 0,39 % mittlerer normalisierter Abstand der Eckpunkte

Bei der Geschwindigkeit ist das Bild differenzierter:

Laufzeitumgebung Inferenz je Bild
WebGPU, Desktop-Browser ~ 60 ms
WebGPU, iPhone ~ 237 ms
WASM-Fallback ~ 500 ms

Das Projekt ist ausdrücklich als «in development» gekennzeichnet, der WASM-Pfad bleibt die nächste Optimierungsbaustelle.

Typische Einsatzszenarien:

  • browserbasierte Dokumentenscanner,
  • Beleg- und Rechnungserfassung auf dem Mobilgerät,
  • Erkennung von Ausweisen und Pässen,
  • Einbindung in bestehende Web-Anwendungen ohne zusätzliches Backend.

Warum wir das teilen

LDED ist als CAS-Projektarbeit in unserem Team entstanden. Wir haben uns entschieden, Code, Architekturbeschreibung, Trainingsleitfaden und eine lauffähige Browser-Demo öffentlich einsehbar zu machen — als Beitrag zu Forschung und Lehre, nicht als fertiges Produkt.

Beides lässt sich direkt ausprobieren: Die Browser-Demo erkennt Dokumentenecken live über Kamera oder hochgeladenes Bild — die Verarbeitung bleibt dabei auf Ihrem Gerät. Modell, Trainingscode und Dokumentation liegen im Repository auf GitHub.

Inhaltlich passt das Projekt zu einer Haltung, die sich durch unsere Arbeit zieht: Sensible Daten sollen dort verarbeitet werden, wo sie entstehen. Mit ExeoAI verfolgen wir dasselbe Prinzip auf Unternehmensebene — die souveräne, lokale Analyse sensibler Dokumente statt Verarbeitung in fremder Infrastruktur. LDED zeigt, dass der Ansatz auch am anderen Ende der Kette funktioniert: schon beim Erfassen, im Browser, auf dem Gerät des Nutzers.

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